Die Auserwählten (1)

Eine gleichermassen phantastische wie frei aus den Sternen gegriffene Geschichte… 

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Es wird Wagen geben, die von keinem Tier gezogen werden und mit unglaublicher Gewalt daherfahren.

(Leonardo da Vinci – 1452 – 1519)

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Als wir aus dem Lokal auf die Strasse traten war es schon wieder viel zu kalt für eine Nacht im April. Die Tür fiel zu und der Lärm hinter uns ebbte merklich ab. Es war spät geworden, morgen mussten wir alle wieder zur Arbeit. Nur noch wenige Worte wurden gewechselt, dann gingen wir auseinander. Marius und Gerhard waren jeweils mit dem Auto da, Peter und ich gingen gemeinsam zur U-Bahn. Viel zu selten schafften wir es so einen Abend hinzubekommen befanden wir und nahmen uns – wie stets zu solchen Anlässen – vor es ab jetzt besser zu machen. Den Marius und den Peter kannte ich schon aus dem Sandkasten, den Gerhard wohl auch schon an die zwanzig Jahre. Es war eigentlich erstaunlich, dass wir vier Männer in den Vierzigern uns nicht öfters trafen, denn wir lebten entweder als Singles nach gescheiterten Beziehungen oder in ziemlich kaputten oder oberflächlichen Partnerschaften. Mit der Arbeit oder anderen privaten Aktivitäten waren wir auch nicht gerade heillos überbeschäftigt, aber das Stadium eines vagen Versprechens auf die Zukunft konnten wir nicht ins Konkrete verlassen. Hätten wir geahnt wievel Zeit wir noch zusammen verbringen würden, uns wäre das Blut in den Adern gefroren.

Es war kein weiter Weg vom Lokal bis zur U-Bahn durch die Innere Wiener Strasse, die selbst um diese Zeit noch einigermassen belebt war. Wir waren schon auf dem Max Weber Platz angekommen, als uns zwischen geparkten Autos ein leibhaftiger Fuchs begegnete. Mitten in der Großstadt! Er starrte uns in geduckter Haltung an, schien grüblerisch den Kopf zu wiegen, während er uns studierte und rannte schliesslich an uns vorbei, den Fussweg um die Ecke entlang, in Richtung Landtag und Isarauen.

Während wir mit den Rolltreppen zur U-Bahn hinabglitten besprachen wir noch die merkwürdige Begegnung, stellten Vermutungen über eine mögliche Tollwut als Ursache für den Stadtaufenthalt des Fuchses an und bestiegen schliesslich unsere Züge in getrennte Richtungen. Eine gute halbe Stunde brauchte ich noch bis nach Hause, da war es dann fast 1:00 morgens und ich ärgerte mich über die viel zu kurzen fünf Stunden Schlaf, die mir jetzt nur noch verblieben. Schnell fiel ich in einen tiefen Schlummer, dessen einziges Traumbild aus einem Fuchskopf mit leuchtend hellen Augen bestand.

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