Der Fahrstuhl

Im Gegensatz zum ersten Mal war es diesmal richtig schnell gegangen. Ein paar Tage davor hatte so ein wenig innere Unruhe eingesetzt, die er nicht wirklich als störend empfand. Dann kam das Wochenende und er fand sich ohne Vorwarnung in einem Fahrstuhl wieder. Einem Fahrstuhl ohne die üblichen Knöpfe und der Lift kannte nur eine Richtung: abwärts. Ohne Halt, ohne Gnade abwärts. Es war in gewisser Weise atemberaubend wie er sich selbst dabei zusehen konnte als ihn Freude, Mut und Zuversicht wie ätherische Nebelschwaden über einem Berggipfel verliesen. Irgendwann fuhr der Aufzug nicht mehr weiter. Es war still und in der Stille, auf den wenigen Quadratmetern Aufzug erschien es  ihm nunmehr als einzige Möglichkeit in der es sich noch leben, nein existieren lies. Das Gefängnis hatte sich in einen Zufluchtsort verwandelt. Das Denken fiel ihm so unglaublich schwer, von Konzentration konnte man nicht reden, eine bleierne Müdigkeit bedeckte ihn wie eine Grabplatte. Und so wähnte er sich sicher im Aufzug während gleichzeitig seine Selbstzweifel immens an Gewicht zulegten.

Eines Morgens entdeckte er den Knopf. Er hätte schwören können, dass der zuvor nicht dagewesen war, aber das konnte ja auch nicht sein. Ein roter Knopf, eine Alarmanlage. Er zögerte nicht lange, obwohl das nach seiner Überzeugung eigentlich geboten gewesen wäre und presste seinen Daumen drauf. Es dauerte nicht lange, dann kam ein Mann, der ein Arzt war mit einem Stemmeisen. Er hörte wie der Mann das Eisen in den Spalt zwischen den Türsegmenten klemmte. Es knarrte, dann fiel ein greller Lichtstreifen durch den Spalt und er schloss geblendet die Augen. Der Mann sprach mit ihm, aber seine Worte verklangen ohne wirklich wahrgenommen zu sein. Eine Frau kam und hielt seine Hand durch den Türspalt.

Das ging so einige Tage und der Mann brachte ihm Medikamente mit. Der Spalt zwischen den Türen wurde breiter und er fing an sich an die Helligkeit zu gewöhnen. Die Sätze des Mannes schwangen sich aus dem Geblubber des Sumpfes empor und bekamen Sinn und Zusammenhang in seinen Ohren.

Langsam setzte sich der Fahrstuhl nach oben in Bewegung.

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Keine Kommentare zu „Der Fahrstuhl“

  • Toll geschrieben. Ich kenne diesen Aufzug auch, allerdings führ er wohl nicht ganz so weit nach unten. Weiterhin alles Gute!

  • Kenne den Aufzug auch. Meine Vorgehensweise: ich brech das Dach auf, wenn kein Schraubenzieher zur Hand und klettere die Eisenleiter innen im Schacht wieder hoch. Das geht nicht ohne Schrammen vonstatten, aber bis jetzt hat´s noch jedesmal funktioniert, glücklicherweise. Doch oft hätte ich mir auch einen Arzt mit Stemmeisen gewünscht.

  • Viele wissen gar nicht, wie viel Mut es erfordert, den roten Knopf zu drücken. Gut, dass Du ihn hast.