Wie man sich einen Bruch hebelt

Der Hebel. Nicht irgendeiner, sondern der, der Europa endgültig mitsamt seiner Währung in den Abgrund hebeln kann…

Zunächst klingt das ja plausibel, was da so an Verlautbarungen in die Welt kommt. Oberflächlich betrachtet. Die 440 Milliarden Euro des EFSF bleiben in der Höhe unverändert, ebenso der maximale, deutsche Anteil daran in Höhe von 211 Milliarden Euro.

Zum Vergleich mal eine andere Zahl: Die Gesamtausgaben des Bundeshaushaltes für 2011 sind mit knapp 306 Milliarden Euro veranschlagt, davon sind knapp 49 Mrd. Euro neue Schulden eingeplant, weil sich die Einnahmen des Bundes im Jahr 2011 nur auf etwa 257 Mrd. Euro belaufen. Deutschland bürgt also mit 82 Prozent seiner Einnahmen eines ganzen Haushaltsjahres!

Zurück zum Hebel. Das wäre dann ungefähr so ausgestaltet, dass man mit den 440 Milliarden Euro nicht einen entsprechenden Forderungsausfall für die Gläubiger dieser Staatsanleihen 1:1 auffangen würde, sondern z.B. nur die ersten 20 Prozent. Das würde bedeuten, dass bei einem Ausfall von mehr als 2 Billionen an Forderungen jeweils die ersten 20 Prozent durch den EFSF abgedeckt würden. Das Versprechen wäre also gehalten, das Geld würde länger reichen.

Leider hat das Ganze einen Schönheitsfehler. Die 80 %, die dann nicht durch den EFSF abgedeckt würden, die würde ja trotzdem jemand verlieren, nämlich Banken, Fonds, institutionelle und private Anleger. Die Verluste würden auch nicht erst bei der 441sten Milliarde anfangen, sondern bereits bei der ersten. Im Falle der Banken und Fonds wäre wohl in kürzester Zeit ein weiteres Rettungspaket fällig, nur, dass dieses dann etwas Neues wäre und bei der jetztigen Diskussion so gesehen niemand gelogen hätte. Andernfalls würde man den Finanzsektor “baden gehen” lassen und das kann ich mir nun beim besten Willen nicht vorstellen. Es scheint, als wolle man Zeit gewinnen und beten, dass alles schon nicht so arg schlimm kommen wird.

Dabei liegt das wahre Problem woanders. Die Zockerei, das Wetten für oder gegen irgendetwas, das wird dadurch nicht beendet. Warum auch? Für die Spekulanten wird es so nur immer schöner, weil immer mehr Liquidität in die Märkte kommt! Das ist so, als würde jemand auf der Pferderennbahn 100 Euro auf ein Pferd setzen. Nachdem das Rennen gestartet ist wird diesem Gaul ständig etwas vor die Haxen geworfen und krank ist er auch, aber das hat vorher keiner so genau wissen haben wollen. Oder so. Jedenfalls wird der Gaul letzter, der Wetteinsatz ist futsch.  Das Wettbüro kauft für wenig Geld einen Teil der Wetten zurück. Das Wettbüro nörgelt und jammert herum. Aber am Ende kommt der Staat – also wir Bürger – und belohnen nicht den, der gewettet hat, sondern den, der wie Wette verkauft hat. Jetzt hat der also wieder 20 Euro mehr und so kann er versuchen die Verluste aus dem Wettrückkauf auszugleichen und gleich eine neue Option mit einem Hebel von 5:1 … (Anm. d. Red.: hier wurde mir übel).

Die Wahrheit liegt da, wo sich die Politik nicht rantraut. Die Schulden sind immens, es muss überall gespart werden,  mit allen politischen Konsequenzen: Machtverlust, Postenverlust, Ansehensverlust, das will man schließlich vermeiden.

Zudem sind hohe Schulden kein exklusives Problem der momentan von der Spekulation betroffenen Länder. Ginge es danach müssten ganz sicher Japan und wohl auch die USA massiv von Herabstufung durch Ratingagenturen und Pleitespekulation der Zocker betroffen sein. Da dem nicht so ist, muss man davon ausgehen, dass hinter den Kulissen also auch noch ganz andere “Grabenkämpfe” ausgefochten werden.

Hat denn wirklich jemand geglaubt, dass ein Verhalten über Jahrzehnte mehr auszugeben, als man einnimmt irgendwie gutgehen kann? Lobbyismus und Spezlwirtschaft, mangelnder Sachverstand und die Finanzierung zweifelhafter Wahlversprechen haben uns das beschert. Jetzt ist eben Finale. Daneben kann man die Spekulation nur durch eine Reihe weiterer Maßnahmen in Form von Abgaben und Regulierungen zum einschlafen zwingen. Da der Finanzsektor aber eine unglaubliche Macht hat, traut sich von den etablierten Politikern die eine Hälfte da nicht ran, die anderen sind sowieso auf Seiten des Finanzsektors.

Es bleibt in jedem Falle spannend und ich bin nicht gerade vom Optimismus gebeutelt. Eine neue, vielleicht hoffnungsvollere Zukunftsvision als Folge der heutigen Zustände scheint sich allerdings gerade zu entwickeln. Vae victis, wenn die 99 Prozent wirklich erwachen und das Establishment hinwegfegen!

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1 Kommentar zu „Wie man sich einen Bruch hebelt“