Shopping & Huren
Gestern war der Mayer los, um sich eine neue Winterjacke zu besorgen. Klar hoffte ich darauf, ein Modell zu finden, das schön warm ist, gut sitzt und zu dieser Jahreszeit vielleicht schon im Preis herabgesetzt ist. Allerdings wollte ich einen bestimmten, Regen abweisenden Oberstoff und schwarz sollte das gute, neue Stück auch sein. Ich stromerte also durch die Geschäfte und musste feststellen, dass meine Vorstellungen nicht so leicht zu befriedigen waren.
Als typisches Mannsbild ist es mir am liebsten einfach durch die Gänge zu schlendern und sehr schweigsam, in tiefer innerer Einkehr den Fall zu lösen. Meine Körperhaltung und meine Mimik scheinen dabei etwas in meinem Sinne Erfolgreiches auszustrahlen, denn verkaufstechnisch unaufgefordert angelabert werde ich nur noch von den penetrantesten Vertretern der Spezies Verkäufer/in. Gestern war ich darauf vorbereitet im Erfolgsfall von mir aus noch ein Gespräch mit dem Verkaufspersonal zu führen, da ich unumgängliche Fragen zur Behandlung des Stoffes im Falle der Verschmutzung hatte.
Nach etlichen Läden begegnete mir dann tatsächlich in einem kleinen Geschäft meine Wunschjacke, ich konnte sie sogar noch völlig unbehelligt probieren und befummeln, als sich schließlich eine jüngere Verkäuferin zu mir gesellte. Meine Frage nach der textilen Pflege wurde zu meiner vollen Zufriedenheit beantwortet, der Preis war um sensationelle 50 Prozent reduziert und ich strebte wirklich allerbester Laune der Kasse entgegen.
Hier begann der Wahnsinn. Konnte ich die Anpreisung, dass Mann dazu doch auch ein neues Hemd oder eine chice Jeans wirklich gut gebrauchen könnte noch halbwegs rasch im Keim ersticken, wurde mir auch schon der Antrag für ein Kundenkärtchen serviert. Natürlich ohne Werbung, dafür mit Geburtstagsgeschenk und einer schier unglaublichen Fülle von weiteren, kleinen Vorteilen. Das versuchte ich erst einmal auf die lange Bank zu schieben, als mir ein Kaffee angeboten wurde. Ich bin für Kaffee ja meistens zu haben, gestern war ich allerdings bereits restlos vollgetankt und lehnte daher dankend ab. Daraufhin versuchte die Dame mich zu animieren doch einfach so mal reinzusehen, wenn ich eben in der Stadt unterwegs wäre, mal auf einen Kaffee vorbeizukommen. Mir lag die Frage auf der Zuge: “Und wenn ich jetzt ficken will, dann machen wir das selbstverständlich auch sofort, was?”
Dabei ist es todtraurig zu welchen absurden Verrenkungen das Verkaufspersonal mittlerweile gezwungen wird. Wie aus einer, warum angeblich auch immer erfolgversprechenden Strategie der Gewinnmaximierung irgendwelcher todkranken Marketinggehirne, nur ein ekelhafter Bullshit gerinnt. Es gibt sie zum Glück noch, Geschäfte in denen es anders, in meinen Augen “normaler”, zugeht. Die bekommen künftig den Zuschlag von mir. Auch wenn ich dann länger nach einer neuen Winterjacke suchen muss.

